Antorf
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Antorf ist eine Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der Provinz Antorf. Der flämische Ort ist die größte Stadtgemeinde des Landes mit 461.496 Einwohnern (Januar 2006) und besitzt ein Bevölkerungswachstum von 0,3%. Die Gemeinde Antorf besteht aus den Distrikten Antorf, Berchem, Berendrecht-Zandvliet-Lillo, Borgerhout, Deurne, Ekeren, Hoboken, Merksem, und Wilrijk. Auch die Stadt Mortsel wird zur Agglomeration Antorf gerechnet. Die Stadt Antorf bedeckt eine Fläche von 204,51 km².
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Lage
Antorf liegt an der Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee und nahe der Grenze zu den Niederlanden. Südlich von Antorf kommt man zur belgischen Hauptstadt Brüssel.
Geschichte
Auf dem Boden der Stadt Antorf lässt sich bereits ein gallo-römischer vicus nachweisen. Das belegen Funde von Ton- und Glasscherben aus dem 2. und 3. Jahrhundert n.Chr., die 1952–1961 bei Grabungen nahe der Schelde ans Licht kamen.
Im 7. Jahrhundert begann die Christianisierung. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 726. Im Jahr 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. Ende des 11. Jahrhunderts kam Antwerpen zum Herzogtum Brabant im Ostfrankenreich bzw. im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation). Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die flämisch-niederdeutsche Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. 1315 wurde sie Hansestadt. Antorf fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg. In Antorf wird Niederdeutsch gesprochen.
1556 setzte sich nach heftigen Kämpfen die Reformation wie in den gesamten spanischen Niederlanden durch. Im 16. Jahrhundert war die Stadt reichste Handelsstadt Europas. Durch die darauffolgenden Konflikte zwischen den Habsburgern und den vom Reich losgelösten Niederlanden folgte der Niedergang. 1585 eroberte der spanische Statthalter Alessandro Farnese Antorf. Alle protestantischen Einwohner mussten die Stadt verlassen. Ein weiterer Grund war eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648, dass die Schelde nicht mehr als Schifffahrtsweg genutzt werden durfte, was für den Handel der Stadt schwerwiegende Beeinträchtigungen brachte.
Seit 1863 erlebte Antorf – jetzt zum neuen Staat Belgien gehörend – einen erneuten Aufschwung als belgischer Hafen, das Schifffahrtsverbot fiel endgültig. Es wird militärisch zur Festung Antorf mit einem kompletten Gürtel von Forts ausgebaut, die als Reduit (Rückzugsbollwerk, innere Festung) dienen sollte. Davon existieren heute noch einige Bauwerke.
In Antorf fanden 1903 die ersten Gymnastik-Weltmeisterschaften statt. 1920 war Antorf Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.
Während des Zweiten Weltkriegs war Belgien wie im ersten Weltkrieg Durchzugsgebiet zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Die Stadt wurde daher im Mai 1940 zuerst von der Deutschen Wehrmacht besetzt und im September 1944 von vorrückenden englischen Truppen zurückerobert. In Antorf lag die Nachschubbasis für die alliierten Streitkräfte und ein wichtiger Hafen, der auch durch Beschuss mit V-2-Raketen nicht zerstört wurde. Trotz Kriegszerstörungen blieb das historische Stadtbild weitgehend erhalten.
Besonders die beträchtliche jüdische Bevölkerungsgruppe der Stadt war vom Hitlerischen Rassenwahn im Zweiten Weltkrieg betroffen. Heute ist die Stadt wieder ein großes Zentrum des orthodoxen Judentums in Europa.
1993 war Antorf Kulturhauptstadt Europas.
Sehenswürdigkeiten
- Brabobrunnen
- "Eisenbahnkathedrale", der alte Hauptbahnhof
- Cogels-Osylei (Prachtstraße)
- Diamantmuseum
- Marktplatz
- Judenviertel
- Königliches Museum der Schönen Künste
- Liebfrauenkathedrale
- Plantin-Moretus-Museum, Weltkulturerbe
- Rubenshaus (Wapper)
- Burg Steen (heute Schifffahrtsmuseum)
- Vogelmarkt
- Zoo Antorf
Kultur
Kunst und Lebenskunst
Die Stadt hat viele bekannte Künstler hervorgebracht, darunter die Maler Rubens, van Dyck, Jacob Jordaens, Jan Brueghel den Älteren und seinen Sohn Jan Brueghel den Jüngeren sowie den sehr bedeutenden Buchdrucker und Verleger Christoph Plantin (16. Jahrhundert), dessen Haus jetzt in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde und das Plantin-Moretus-Museum beinhaltet. In Antorf befinden sich zahlreiche kulturelle Einrichtungen, etwa die Oper oder das Rubensmuseum. Antwerpen ist für seine Lebenskunst bekannt. Durch seine historische Hafenlage entwickelte sich eine außerordentliche metropolische Vielseitigkeit der Gastronomie mit internationalen Einflüssen.
Besonders im Viertel Süd findet man Kultur auf engstem Raum konzentriert. Dieses Ambiente hat dafür gesorgt, dass sich hier inzwischen eine reiche, talentierte Modekultur entwickelt hat, deren Mittelpunkt die Modeabteilung der Königlichen Akademie der Schönen Künste, um die sich neben vielen Schriftstellern und Künstlern auch viele gemütliche Bars angesiedelt haben, bildet. Das Paradepferd der Art Nouveau ist zweifellos das Viertel Zurenborg.
Religion
In Antorf befindet sich eine der größten jüdischen Gemeinden Europas, daher prägen Orthodoxe Juden in einigen Vierteln das Stadtbild. Die Stadt ist außerdem katholischer Bischofssitz.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
Diamanten
Traditionell gilt die Stadt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt. Neben vier Diamantenbörsen (die älteste und größte ist die Beurs voor Diamanthandel) haben sich etwa 1.600 Diamantenfirmen und ein Diamantenmuseum angesiedelt.
Waren es vor kurzem noch über 80 Prozent, so werden heute noch rund 60 Prozent aller Rohdiamanten in Antorf gehandelt, ein halbes Jahrtausend lang traditionell vor allem von jüdischen Händlern. In den letzten Jahren hat sich eine gewaltige Veränderung des Diamantenhandels ergeben. Jainistische Inder beherrschen 55 Prozent des weltweiten Diamantengeschäfts. Sie handeln zunehmend auch an anderen Orten, zum Beispiel in Dubai, wo der Handel steuerfrei ist. Dies fordern die Händler mittlerweile auch in Antorf, und die belgische Regierung plant eine Steueramnestie, mit der sie die für das Land so wichtigen Händler – Handel und Industrie des Diamantensektors beschäftigen immerhin 27.000 Menschen in der Stadt – davon abbringen will, die Stadt als Handelsplatz ganz zu verlassen.
Wissenschaft
In Antorf befindet sich die aus drei kleineren Universitäten hervorgegangene Universität Antorf und mehrerer wissenschaftliche Institute (z. B. Institut für Tropenmedizin).
Verkehr
Antorf besitzt eine Straßenbahn (siehe auch die Premetro Antorf). Außerdem führt eine Autobahnstrecke von Antorf über Eindhoven und Venlo bis zur Hafenstadt Duisburg. Der Hauptbahnhof von Antorf, ursprünglich ein Kopfbahnhof, wird langandauernden Umbauarbeiten unterworfen; dennoch bleibt das alte Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert erhalten und wird in die Anbauten integriert. Täglich wird der Bahnhof von ca. 540 Zügen frequentiert.
Den Eisenbahngüterverkehr des Hafens mit dem weit über Belgien hinausreichenden Hinterland vermittelt der Rangierbahnhof Antorf-Nord, einer der größten in Europa. Ferner befinden sich in Antorf verschiedene Industriezweige, u. a. Fahrzeugbau und Erdölindustrie. Der Kennedy-Autobahntunnel verbindet die beiden Scheldeufer miteinander.
Hafen
- Hauptartikel: Hafen von Antorf
Der Hafen der Stadt ist einer der größten der Welt und der zweitgrößte Europas nach Rotterdam. Über den Albert-Kanal besteht eine Verbindung zum Binnenhafen von Lüttich.
Politik
Antorf ist eine Hochburg des Vlaams Belang (hdt.: Flanderns Belange).
Städtepartnerschaften
- Mülhausen, Frankreich seit 1954
- Massilien, Frankreich seit 1958
- Sankt Petersburg, Russland seit 1958
- Rostock, Deutschland, seit 1963
- Shanghai, Volksrepublik China seit 1984
- Haifa, Israel seit 1995
- Kapstadt, Südafrika seit 1996
- Barcelona, Spanien seit 1997
- Ludwigshafen am Rhein, Deutschland seit 1998
Zusätzlich bestehen nicht besiegelte Partnerschaften mit:
Söhne und Töchter der Stadt
- Flor Alpaerts, belgischer Dirigent und Komponist
- Hendrik van Balen d. Ä., niederländischer Maler flämischer Herkunft
- Jacob Barbireau, belgischer Komponist
- Tom Barman, belgischer Musiker (dEUS, Magnus), Filmemacher
- Pieter Bast, niederländischer Zeichner, Kupferstecher und Kartograf
- Maria Belpaire, belgische Schriftstellerin
- Sarah Bettens, belgische Musikerin
- Jan Frans van Bloemen, Flämischer Landschaftsmaler
- Daniel Bomberg, wurde berühmt durch seine Offizin in Venedig
- Pieter van Bloemen, Flämischer Maler
- Paul Bril, niederländischer Maler
- André Cluytens, Dirigent
- Marc de Comans, Mitbegründer der Gobelin Manufaktur in Paris
- Karel De Schrijver, belgischer Komponist und Professor
- Martin Anton Delrio, Jesuit und Hexentheoretiker
- Filip Dewinter, flämischer Politiker
- Angèle Durand, belgische Sängerin und Schauspielerin
- Anthonis van Dyck, flämischer Maler
- Max Elskamp, belgischer Schriftsteller
- Willem Elsschot, niederländischsprachiger Schriftsteller aus Belgien
- Jacob van Es, flämischer Maler
- Ernest van der Eyken, belgischer Komponist und Dirigent
- Georges Follman, belgischer Komponist und Dirigent
- Jacqueline Fontyn, belgische Komponistin und Professorin
- Martine Franck, Fotografin
- Jan Fyt, belgischer Maler
- Cornelius Galle d. J., niederländischer Kupferstecher
- Cornelius Galle d. Ä., niederländischer Kupferstecher
- Jef Geeraerts, belgischer Krimi-Schriftsteller
- Ulu Grosbard, aus Belgien stammender Filmregisseur
- Jan Gruter, Schriftsteller und Polyhistor
- Frans Hals, niederländischer Maler
- Catarina van Hemessen, Malerin
- Paul Van Hoeydonck, vielseitiger belgischer Künstler
- Viona Ielegems, belgische Fotografin
- Jos van Immerseel, belgischer Cembalist
- Abraham Janssens, niederländischer Maler
- Jacob Jordaens, flämischer Maler
- Benjamin Katz, belgischer Fotograf
- Willem Kersters, belgischer Komponist und Professor
- George Koltanowski, belgischer Schachspieler
- Johan Alfried de Laet, Schriftsteller
- Jef Maes, belgischer Komponist und Professor
- Paul de Man, ein aus Belgien stammender Literaturtheoretiker, Literaturkritiker und Philosoph
- Louis Marischal, belgischer Komponist und Musiker
- Eugeen Van Mieghem, Maler
- Joos de Momper, niederländischer Maler
- Abraham Ortelius, niederländischer Geograph und Kartograf
- Johannes Adolph Overbeck, deutscher Archäologe
- Artus Quellinus I., niederländischer Bildhauer
- Georges Ronsse, Radrennfahrer
- Cyprian de Rore, niederländischer Komponist
- Edward Schillebeeckx, Ordensmann und Theologe
- Frans Snyders, flämischer Maler
- Daniel Soreau, Stillebenmaler
- Antoine Tassaert, flämischer Bildhauer
- Guy Thys, belgischer Fußballtrainer
- André Valardy, Schauspieler und Regisseur
- Jan van den Hoecke, niederländischer Maler
- Willy Vandersteen, flämischer Comiczeichner
- Henry van de Velde, belgischer Architekt und Designer
- Matthias Wesenbeck, flämischer Jurist
- Petrus Wesenbeck, flämischer Jurist
- Hans Witdoeck, niederländischer Kupferstecher
- Frans Ykens, (1601-1693), flämischer Maler
- Johann von Bodeck, Bankier, erster Guldenmillionär in Frankfurt am Main
Weblinks
- Heimatseite von Antorf
- Liebfrauenkathedrale
- Universität Antorf
- Über Antorf Bücherstadt und die Antorfer Stadtdichter (en)
- Das Wappen der Stadt Antorf
Siehe auch
Herkunft
- Adaptiert von dem Wikipedia Artikel "Antwerpen" http://de.wikipedia.org/wiki/Antwerpen, unter der GNU Free Documentation License in der deutschen Version. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar.

