Bruno Rüger

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Bruno Rüger (* 14. Juli 1886 in Radebeul; † 24. September 1972 in Dresden) war ein Go-Lehrer und -Schriftsteller und Herausgeber der Deutschen Go-Zeitung. Er beschäftigte sich in seinem Buch "Du bist dran" auch mit dem Bohnenspiel.

Contents

Leben

1912 lernt der Dresdner Lehrer Bruno Rüger Go durch das Buch von Pfaundler kennen und beginnt, sich intensiv mit diesem Spiel zu beschäftigen. Etwa 1914 wird er zum Kriegsdienst eingezogen, kommt aber nicht an die Front und hat so Zeit, Go seinen Kameraden beizubringen. Obwohl selbst noch Anfänger, schreibt Rüger 1916 eine Anleitung, die in einer Auflage von 10.000 (!) Stück in der Miniatur-Bibliothek-Reihe erscheint. Die Reaktionen auf dieses Werk ermutigen ihn, privat mit der Produktion von Go-Spielen mit Spielsteinen aus Pappe zu beginnen, die er in alle Welt versandte.

1918 korrespondierte Rüger mit dem Grazer Hofrat Prof. Dr. Leopold Pfaundler († 1920) über dessen Buch und dessen Gozeitung. Ein Jahr später trifft er einen gewissen Wagner († 22. Januar 1922), der – ohne gefragt zu werden – Sponsor des Go-Spiels in Deutschland wird. Mit Wagners finanzieller Hilfe republiziert Rüger ab 1. Januar 1920 die 1909 von Pfaundler ins Leben gerufene Deutsche Gozeitung. 25 Jahre führt er die Zeitung durch die schwere Zeit der Inflation und des 2. Weltkrieges. Durch die Inflation stieg der Preis der Zeitung bis auf über 100.000 Mark. Das Geld war beim Eintreffen bei Rüger zumeist schon wertlos, so dass dieser mehrere Millionen Mark Verlust machte. 1923 hat die Zeitung mit 113 ihre höchste Abonnentenzahl.

1921 erhält er von Dr. Tsutsumi aus Japan seine ersten japanischen Go-Bücher, versteht aber nur die Diagramme und Numeralia-Kanji, aber nicht die Kommentare. Der fremdsprachengewandte Wiener Realschullehrer Dr. Eduard Nonnenmacher unterstützt Rüger später bei der Übersetzung von japanischen Go-Texten für dessen Publikationen.

In seiner Funktion als Schriftführer des Dresdner Schachvereins erfährt er im gleichen Jahr von der Go-Begeisterung Emanuel Laskers und lädt diesen nach Dresden ein, wo er ihm 20 Mark für eine Partie anbietet.

1922 führt Rüger auf der Grundlage des japanisches Systems ein eigenes System mit 50 Klassen ein (später durch den Leipziger Go-Lehrer Erwin Parchwitz auf 120 Klassen erweitert), welches noch bis etwa 1977 in der DDR gültig war (in Westberlin und in der Bundesrepublik begann die Umstellung etwa zehn Jahre früher) und dann vom Dan-/Kyu-System abgelöst wurde. Das Rügersche Klassensystem hatte den Vorteil, im Spiel mit Vorgabe diese genauer bestimmen zu können. Die Anzahl der Vorgabesteine berechnete sich nach der Formel "(Klassendifferenz+1)*0,5", ein Dan-/Kyu- umfasst also 2 Rügersche Grade. "Halbe" Vorgabesteine bedeuteten 5 Komi (Punktgutschrift). Dieser Vorteil, welcher insbesondere beim Spiel mit niedriger Vorgabe von Gewicht ist, wurde zugunsten der internationalen Vergleichbarkeit aufgegeben.

Dan-/Kyu-Grade von Amateuren hatten folgende Entsprechung (dazu einige Beispiele von Graden aus der DDR 1977)

Klasse  1 -  7 Profibereich
Klasse  8 -  9 6. Dan
Klasse 10 - 11 5. Dan
Klasse 12 - 13 4. Dan
Klasse 14 - 15 3. Dan (M. Soller, K. H. Vogel)
Klasse 16 - 17 2. Dan (S. Steffens, R. Erfurth, Dr. W. John, S. Unger)
Klasse 18 - 19 1. Dan (P. Passow)
Klasse 20 - 21 1. Kyu (M. Arnold)
Klasse 22 - 23 2. Kyu (P. Blechschmidt)
Klasse 24 - 25 3. Kyu (Dr. U. Sachsenweger)
...
Klasse 30 - 31 6. Kyu (E. Parchwitz)
...
Klasse 120 Totalanfänger

Einige damalige Einstufungen (ohne exakte zeitliche Zuordnung) waren:

Klasse 23 Felix Dueball
Klasse 26 Bruno Rüger
Klasse 27 Sprague
Klasse 29 Alfred Rüger (Bruder von Bruno Rüger)
Klasse 45 W. Noack

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs bemühte sich Bruno Rüger schnellstmöglich um den Wiederaufbau des Go-Lebens. 1950 entwickelte sich in Dresden eine kleine Spielgemeinschaft und Rüger war jahrelang der stärkste Spieler in der DDR. Neben seiner aktiven Laufbahn widmete er sich vor allem der Förderung des Nachwuchses.

1961 fand im Leipziger Opernhaus das erste Go-Treffen in der DDR statt, welches von Rüger mitorganisiert wurde. Das Treffen war eine wichtige Bestandsaufnahme des Go-Sports in der DDR und zahlreiche DDR-Spitzenspieler waren zugegen.

Am 21. und 22. März 1964 wurde in Berlin die Kommission Go im Deutschen Schachverband der DDR gegründet, deren erster Vorsitzender Rüger wurde. Aus Altersgründen gab er dieses Amt aber bereits 1966 wieder ab. Die Go-Spalte in der Zeitschrift SCHACH führte er noch bis 1969 weiter.

Am 22. November 1971 verlieh der japanische Go-Bund Nihon-Ki-in Rüger den Okura-Preis. Diesen Preis erhalten Persönlichkeiten, die sich um die Verbreitung des Go-Spiels besondere Verdienste erworben haben. Diese Auszeichnung wurde an diesem Tag erstmals zwei Nicht-Japanern verliehen. Neben Rüger erhielt auch der Westberliner Fritz John ein ehrendes Handschreiben und die goldene Go-Anstecknadel.

Rüger verstarb am 24. September 1972 nach kurzer, schwerer Krankheit 86jährig in Dresden.

Ihm zu Ehren wurde 1980 das Bruno-Rüger-Gedenkturnier ins Leben gerufen – ein DDR-Jugend- und Nachwuchsturnier, welches jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr durchgeführt wurde.

Bruno Rügers Bruder Alfred war ebenfalls ein aktiver Go-Spieler, der in Berlin-Neukölln lebte und in den frühen 1960er Jahren, selbst bereits hochbetagt, regelmäßig auf den Spielabenden des Berliner Go-Clubs anzutreffen war.

Werke

  • Buch Das Go-Spiel, 1920 mit finanzieller Hilfe von Wagner publiziert
  • Interessante Go-Partien, Berlin 1925, als Ergänzung seines Go-Lehrbuchs erschienen
  • Anleitung zur Eröffnung von Go-Spielen, 1928
  • Wichtige Joseki beim Vorgabespiel, 1929
  • Das Vorgabespiel beim Go. Behandlung der wichtigsten Joseki und ausführliche Beschreibung von Vorgabe-Eröffnungen, 1930
  • Das Go-Spiel, 1937/38, vier Bände unter Mithilfe von Dr. Eduard Nonnenmacher

Quellen


Herkunft