Geschlechtergerechte Sprache (Kritik)

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Siehe auch: Geschlechtergerechte Sprache (SPOV)


Die Geschlechtergerechte Sprache ist vielfach kritisiert worden, weil sie oft unleserlich, schwer verständlich und nicht neutral ist, und auch, weil sie den Frauen nicht wirklich hilft.

Contents

Unleserlichkeit

Oft steht sie am Rande der Unlesbarkeit und ist, wie zahlreiche Beispiele belegen, keineswegs alltagstauglich oder alltagsgebräuchlich, sondern nimmt die Funktion einer Kunstsprache ein.

Mangelnde Verständlichkeit

Neben der Leserlichkeit leidet die Verständlichkeit umso mehr: Selbst eine relativ konsequente Anwendung des Binnen-Is oder einer anderen männlich-weiblichen Form lässt doch zahlreiche Formen übrig, bei denen die doppelgeschlechtliche Anführung nicht gegeben ist. (Schilder, alte Texte, Texte, in denen die doppelte Form gezielt, irrtümlich oder aus Bequemlichkeit vermieden wird und nicht zuletzt die mündlichen Formen, Schlagzeilen, Kurzmeldungen und Überschriften und zahlreiche Texte, die die doppelgeschlechtliche Form nur teilweise anwenden) In all diesen Bereichen drohen Verständnisschwierigkeiten, da die Anwendung der doppelgeschlechtlichen Form aus einem "Arbeiter" in seiner alten Bedeutung *Frau oder Mann* nun einen reinen *Mann* macht. Werden Frauen mit dieser Bezeichnung ausgeschlossen oder nicht? Dieses Problem kann auch mit verstärkter Anwendung doppelgeschlechtlicher Formen nicht gelöst werden, im Gegenteil: Durch den nunmehr verstärkten Ausschluss der Frau aus dem Begriff "Arbeiter" droht eine Statusverschlechterung der Frau, der nur durch ständiges Bilden komplizierter Wendungen und in vielen Bereichen gar nicht begegnet werden kann. Der Verlust der einstmals geschlechtsneutralen Überbedeutung des generischen Maskulinums wird durch jede Fortführung der Doppelgeschlechtsformen verstärkt. Die Abschaffung dieser Überbedeutung öffnet gewollten und ungewollten Sexismus Tür und Tor, zumal sich die Doppelformen längst nicht mehr auf Personenbezeichnungen, sondern auch "man/frau" "jedermann/jederfrau" etc. fortführt. Auch das neutrale Pronomen ist in seiner Existenz bedroht. Die Aufspaltung der Menschen in Mann und Frau selbst in jenen Bereichen, für die das Geschlecht ohne Belang ist, dient sicher nicht der Gleichberechtigung. Das sprachliche Nebeneinander von Mann und Frau im Rahmen neutraler Überbegriffen wird zerstört. Mit teils absurden Auswirkungen: "Sie (zwei Frauen) sind meine besten Mitarbeiter!" meinte früher "die besten von allen, auch besser als die Männer" nunmehr, da man sagen muss "Sie sind die besten Mitarbeiterinnen" ist kein direkter Vergleich mit Männern mehr gegeben und sie ist daher nur mehr "die besten unter allen Frauen", was besonders in männerzentrierten Umgebungen wahrlich keine Auszeichnung darstellt. Der direkte Vergleich Mann-Frau wird verunmöglicht und es droht eine strikte sprachliche Trennung.

Unabhängig von der Schreibweise bleibt zu bedenken, ob in männlich und weiblich aufgeteilte Bezeichnungen – also separatistische Bezeichnungen - nicht in unserer angeblich aufgeklärten Welt längst überholt sein sollten. Denn: Soweit es überhaupt unterschiedliche Assoziationen zu "Mann" und "Frau" gibt (in Anbetracht der Geschlechterrollen gibt es eine ganze Menge) ist eine geschlechtliche Titulierung immer (ab)wertend im Kontext zu den abwertenden Assoziationen. Daher: Ist eine Frau abgewertet minderwertig, so ist sie durch konsequente Verweiblichung erst recht abgewertet. Hier wirkt die Sprache verstärkend. Ist sie aber nicht abgewertet, so bleibt die weibliche Titulierung zwar ohne zusätzlich abwertende Konsequenz, eignet sich aber auch nicht als Instrument für den Kampf gegen Diskriminierungen, da sie ja von vornherein nicht abgewertet ist. Paralellen: Niemand würde Schwarze, Alte, Behinderte ... konsequent als solche titulieren, da diese selbstverständlich als normal angesehen werden wollen. Sie erreichen Gleichberechtigung nicht durch ständige Betonung ihres Unterschiedes (Makels), sondern ganz im Gegenteil in der konsequenten Ignorierung ihres Unterschiedes. Groß wäre das Geschrei, alle Schwarzen, Juden, Homosexuellen ... durch gesonderte Titulierungen in gruppendynamische Zuschreibungen hineindrängen zu wollen – sie wollen nicht als andersartig angesehen werden und das ist durch das Menschenrecht der Gleichbehandlung gedeckt. Gleichbehandlung setzt Gleichtitulierung nicht ausdrücklich voraus, wirkt aber dennoch im Unterbewusstsein der Sprecher und Zuhörer entscheidend mit. Jedenfalls gibt es keinen Grund zu behaupten, die unterschiedliche Titulierung führe zu weniger Diskriminierung, während dadurch ein Mehr an Diskriminierungen vielfach möglich erscheint. Schließlich beginnt jede Diskriminierung (lat. discriminare = unterscheiden, trennen) mit einer deutlich gemachten Unterscheidung, die unterschiedliche Bewertungen von Menschen projiziert. Die Unterscheidung ist Voraussetzung und Ausgangspunkt der Diskriminierung. Natürlich gibt es neben der Sprache andere Unterscheidungsmerkmale, dennoch verbleibt der Sprache eine Schlüsselposition in den komplexen Unterscheidungsprozessen. Und eine ganze Reihe von Sprachen mit einheitlicher Titulierung ganz ohne Geschlechter in Verbindung mit relativ besseren Situationen der Frauen am Arbeitsplatz als im deutschsprachigen Raum beweisen doch, dass die geschlechtslose Einheitssprache zum Verkehr im diskriminierungsfreien Raum durchaus geeignet ist.

Fehlende Neutralität

Oft werden die rein weiblichen Formen bevorzugt. Die geschlechtsneutrale Sprache nimmt es daher mit der vorgeblich angestrebten Neutralität nicht genau.

Widerstände

Die Widerstände gegen die geschlechtsneutrale Sprache sind weit verbreitet. Möglicherweise kommt das daher, weil dies lediglich als Alibiaktion betrachtet wird, die von wesentlich dringenderen Problemen der Frauenpolitik ablenken sollen. Außerdem lässt sich niemand gern sprachliche Gepflogenheiten vorschreiben. Die damit latent verbundene Beschuldigung, alle Anwendungen des generischen Maskulinums wären Diskriminierungen, treibt ebenfalls viele auf die Barrikaden. 1995 versuchte die österreichische Bundesministerin Maria Rauch-Kallat die von der Frau Paula von Preradovic gedichtete österreichische Bundeshymmne zu ändern:

  • "statt Heimat bist du großer Söhne" und "Vaterland" solle "Heimat großer Töchter, Söhne" und "Heimatland" kommen.
  • Ergebnis: Hunderte empörte Leserbriefe in den Printmedien, Tausende in den Online-Zeitungen und eine Ablehnung in Umfragen von 96% der Gesamtbevölkerung.
  • Mit dem gleichen Ansinnen war bereits 1994 Madeleine Petrovic gescheitert, die kurz danach die größte Wahlniederlage für die Grünen erfuhr.
  • Diverse Komiker wie z. B. Giro de Luca trieben mit Doppelformen wie "alle und allinnen" ihre Späße. Eine derartige Szene gibt es bereits im Film Das Leben des Brian, in dem die "Volksfront von Judäa", nicht zu verwechseln mit der "judäischen Volksfront", über ihre Angelegenheiten diskutierte und über permanente geschlechtliche Doppelbezeichnungen gestolpert ist, so dass niemand mehr verstand, was eigentlich ausgedrückt werden solle.


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