Lüttich
From Wikinfo
Lüttich ist das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region Belgiens, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und des Bistums Lüttich. Die Stadt mit 187.086 Einwohnern (Januar 2006) liegt am Zusammenfluss von Urt und Maas nahe den Städten Maastricht in den Niederlanden und Aachen in Deutschland. Sie hat eine eine Fläche von 69.39 km². Das Lütticher Becken zählt mit Vorstädten ungefähr 600.000 Einwohner. Das Bevökerungswachstum der Stadt entspricht mit 0,5% in etwa dem belgischen Durchschnitt (0,6%).
In Lüttich befinden sich neben einer Universität verschiedene weitere Hochschulen, ein katholischer Bischofssitz, ein Theater, eine Oper (Opéra royal de Wallonie) sowie andere kulturelle Einrichtungen.
Contents |
Geschichte
Der Name zur Zeit der Römer war „Leodicum“ bzw. „Vicus Leodicus“. 717 entwickelte sich die Stadt als Bischofssitz und war im Mittelalter ein bedeutendes politisches und kulturelles Zentrum.
Die Herrscher des Fürstbistums Lüttich entstammten meist dem deutschen Hochadel (Deutschritterorden). Lüttich hatte das größte Domkapitel im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Während der Französischen Revolution wurde die dem Heiligen Lambertus, dem ersten Bischof von Lüttich, geweihte Kathedrale geplündert und niedergebrannt.
Von 1888 bis 1892 erfolgt der Ausbau Lüttichs zur Festung. Sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg war Lüttich hart umkämpft.
Kultur
Als kulturell bedeutende Stadt in der Großregion nimmt Lüttich am Programm des Europäischen Kulturhauptstadtjahres 2007 teil.
Sport
- Lüttich ist für das Eintagesrennen Lüttich-Bastnach-Lüttich bekannt. Dieses Rennen ist das älteste unter den Klassikern des Radsports.
- Bekanntheit genießt der Fußballerstligist Standard Lüttich.
Wirtschaft
Lüttich war bereits am Ende des 18. Jahrhunderts die Wiege für Kohle- und Stahlindustrie (Cockerill-Sambre) auf dem europäischen Festland. Von hier aus breitete sich die Industrialisierung über den gesamten Kontinent aus. Die Folge waren starke Immigrationsströme aus Flandern, Italien und Nordafrika, was sich im heutigen Straßenbild widerspiegelt. Durch den Zusammenbruch des Kohlebergbaus und die anschließende Stahlkrise im Lütticher Becken geriet die Region in starke finanzielle Probleme mit einer hohen Arbeitslosigkeit. So musste unter anderem der geplante U-Bahn-Bau in den 1970er Jahren aufgegeben werden.
Die Waffenproduktion war seit dem 16. Jahrhundert heimisch und wird bis zum heutigen Tag im Unternehmen FN fortgesetzt. Außerdem befinden sich in Lüttich zahlreiche Industriebetriebe, unter anderem die zur belgisch-brasilianischen Brauereigruppe InBev gehörende Großbrauerei Piedbœuf, in der unter anderem das Bier mit dem Markennamen Jupiler gebraut wird.
Verkehr
Schiene
Derzeit wird Lüttichs Hauptbahnhof Lüttich-Guillemins den Bedingungen der Hochgeschwindigkeitszüge angepasst, welche die Städte Frankfurt am Main, Brüssel, Paris, Leyden, Genf, Massilien und London verbinden sollen. Die Stadt ist ebenfalls ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt für den Güterverkehr mit dem Rangierbahnhof Kinkempois.
- Bahnhof Lüttich-Guillemins
Dieser Bahnhof kommt der Funktion eines Hauptbahnhofs nahe. Hier treffen (außerhalb des Stadtzentrums) alle wichtigeren Eisenbahnlinien der näheren Umgebung Lüttichs zusammen. Es verkehren ca. 500 Züge pro Tag, unter anderem nach Ostende über Brüssel, Antorf (über Hasselt, nicht via Brüssel), Luxemburg, Eupen, Karolingen (- Paris) und Nahverkehrszüge nach Jemelle.
- Bahnhof Lüttich-Jonfosse
Dieser Bahnhof dient als Stadtteilbahnhof des gleichnamigen Quartiers. Hier halten alle Züge, die auch in Lüttich-Prinzenpalais halten.
- Bahnhof Lüttich-Prinzenpalais
Dieser Bahnhof ist der Lütticher Zentrumsbahnhof unter dem Prinzenpalais am Platz St. Lambert. Die Gleisanlagen befinden sich in einem Trog und das Empfangsgebäude (kleinere Pavillons zum Fahrkartenverkauf) ist unterirdisch angelegt.
Schifffahrt
Der Hafen von Lüttich ist der drittgrößte Binnenhafen der Welt, der durch die Verbindung über den Albert-Kanal auch für kleinere Seeschiffe einen Anschluss an den Hafen von Antorf bietet.
Straße
Lüttich ist über die Autobahnen E 40 (A 3), E3 13 (A 13), E 42 (A 15) und E 25 (A 25 und A 26) an das europäische Autobahnnetz angebunden.
Luft
Der Flughafen Lüttich (Bierset) ist hauptsächlich von großer Bedeutung für die Verteilung von Gütern nach Belgien, Deutschland, Nordfrankreich und in die Niederlande. Dort hat TNT Airways sein weltweit größtes Road-Air-Hub, es landen täglich mehr als 80 Frachtflugmaschinen und Hunderte von LKW docken dort an. Es werden an dem neuen Terminal auch Passagierflugzeuge abgefertigt.
Sehenswürdigkeiten
- Bahnhof Lüttich-Guillemins
- Die romanischen Kirchen Sankt Bartholomäus und Sankt Dionysius
- Kathedrale Sankt Paul (gotisch) mit angeliedertem Museum des Kirchenschatzes
- Die gotische Kirche Sankt Martin.
- Das fürstbischöfliche Palais (heute Provinzialpalast und Gericht)
- Das Rathaus aus den Jahren 1714–1718 im Stil des Barocks
- Der Rathausplatz
- Der Sankt Lambert-Platz
- Das Curtiushaus (Museum) aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts
- Universitätsgebäude
- Das Aquarium
- Zahlreiche Museen
- Zahlreiche Prunkbauten aus dem 18. Jahrhundert
- Der jeden Sonntag stattfindende Markt, der sich über mehrere Kilometer entlang des linken Maaskaies erstreckt (Marché de la Batte)
Stadtviertel
Durch seine geografische Lage im engen Maastal und die ehemaligen Abraumhalden des Kohlebergbaus haben sich in Lüttich zahlreiche Stadtviertel mit sehr eigenem Charakter heraugebildet.
Cointe
Cointe liegt im Südwesten der Stadt und westlich des Bahnhofs "Lüttich Guillemins" auf einer Anhöhe, die von der Stadtautobahn E25 im "Tunel de la Cointe" durchquert wird.
Cointe war einst Jagdtrevier der Fürstbischhöfe von Lüttich und findet sein erste Erwähnung mit der Kapelle Saint-Maur, die 1673 errichtet wurde. Seine Aufwertung erfuhr diese Gegend erst mit der Weltaustellung 1905, anässlich derer 19 Hektar des heutigen Viertels dem Austellungsgände angegliedert waren.
Der Stadtteil beherbergt einen sogenannten Privatpark, der die Gärten der um die Jahrhundertwende entstandenen Villen sowie im Süden die steile Flanke des Maastales umfasst. Hier gelegen sind ebenfalls die Basilika "Sacré Coeur et Notre Dame de Lourdes", das weithin sichtbare "Mémorial interallié" sowie das ehemalige Observatorium der Lütticher Universität.
Nördlich des "Place du Batty", der das komerzielle Zentrum des Viertels darstellt, befindet sich die "Plaine de Cointe", ein weitläufiger Park mit öffenlichem Sportplatz, Tennisplätzen und einem Aussichtspunkt, der einen Blick über das Stadtzentrum gestattet.
Westlich des Place du Batty befindet sich ein von teilweise noch typischen Backsteinhäusern geprägtes Wohngebiet, das auch als Quartier des Bruyères bekannt ist.
- Grivegnée
Le Carré
Zwischen den Strassen Rue Pont d'Avroy, Rue de la Casquette, St.Adalbert und Bdv. de la Sauvenière befindet sich das Zentrum des Lütticher Nachtlebens. Insbesondere die Studenten des Campus in Sart-Tilman bevölkern die unzähligen Bars und Cafés der rechtwinklig angelegten schmalen Strassen.
- Outremeuse
- Publémont
- Sainte Marguerite
- Sart Tilman
Städtepartnerschaften
Lüttich unterhält Städtepartnerschaften mit:
- Aachen (Deutschland) (1955)
- Köln (Deutschland) (1958)
- Krakau (Polen) (1978)
- Esch an der Alzette (Luxemburg) (1958)
- Ryssel (Frankreich) (1958)
- Lubumbashi (D.R. Kongo) (1961)
- Maastricht (Niederlande) (1955)
- Nanzig (Frankreich) (1954)
- Pilsen (Tschechien) (1965)
- Porto (Portugal) (1977)
- Rotterdam (Niederlande) (1958)
- Saint-Louis (Senegal) (1980)
- Turin (Italien) (1958)
- Wolgograd (Russland) (1959)
Namhafte Lütticher
- Reinhard (Reginhard) von Lüttich, Bischof und Heiliger
- Léon Bataille, TV-Journalist
- Madeleine Bourdouxhe (1906-1996), Schriftstellerin
- Christophe Brandt, Radrennfahrer
- Hilger de Burgis, Weihbischof in Köln und Lüttich
- Jean-Michel Charlier, Comic-Zeichner
- John Cockerill (1790–1840), Industrieller
- Jean-Pierre Dardenne, Regisseur
- Luc Dardenne, Regisseur
- Franz Josef Denzinger, Architekt und Kirchenbaumeister
- Henry Du Mont, Komponist
- Bernard Foccroulle (* 1953), Komponist, Organist und Opernintendant
- César Franck, (1822–1890), Komponist
- Henri Gagnebin (1886-1977), schweizerischer Komponist
- Marie Gillain, (* 1975) Schauspielerin
- Joseph-Jean Goulet (1870-1953), Violinist, Dirigent und Musikpädagoge
- André Grétry, (1741–1813), Komponist
- Justine Henin (* 1982), Tennisspielerin
- Bobby Jaspar, (1926-1963), belgischer Jazzmusiker
- Philippe Léonard, (* 1974), belgischer Fußballspieler
- Lambert Lombard (1506–1566), Maler, Architekt, Humanist
- Heiliger Hubertus, (655–727), Bischof
- Florimond Claude, Graf von Mercy-Argenteau, Diplomat
- Joseph Jongen, (1873–1953), Komponist
- Armand Marsick, (1877-1959), Violinvirtuose und Komponist
- Lambert Joseph Massart, (1811-1892), Violinist
- Frank Michael, Sänger
- Eddy Paape (* 1920), Comiczeichner
- Lambert Pietkin (1613-1696), Komponist und Organist
- Mathieu Rosmarin, Priester und Komponist
- Jean-Michel Saive, (* 1969) Tischtennisprofi
- Alain Sikorski, Comiczeichner
- Georges Simenon, (1903–1989), Romanschriftsteller
- Charles Vandenhove (* 1927), Architekt
- Eugène Ysaÿe, (1851–1931) Violinist und Komponist
- Edouard Zeckendorf, Amateur-Mathematiker
Literatur
- Eisenschmid, R.
- Belgien. Verlag Karl Baedeker Ostfildern, 3. Auflage 1998, 363-367 ISBN 3-87504-417-7
Weblinks
- Heimatseite von Lüttich
- Lütticher Kongresszentrum
- Leodium
- Bilder von Lüttich
- Lütticher Oper
- Flughafen Lüttich
Herkunft
- Adaptiert von dem Wikipedia Artikel "Lüttich" http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCttich, unter der GNU Free Documentation License in der deutschen Version. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar.

