Marc Bloch

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Marc Bloch

Marc Bloch (* 6. Juli 1886 im französischen Leyden; † 16. Juni 1944 in Sankt Diez nahe Leyden) war als Mitbegründer der Annales-Schule einer der bedeutendsten französischen Historiker des 20. Jahrhunderts.

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Leben

Marc Bloch entstammte einer ursprünglich im Elsaß ansässigen jüdischen Familie. Sein Vater Gustave Bloch war Professor für Alte Geschichte.

Bloch absolvierte von 1904 bis 1908 ein Studium an der École Normale Supérieure in Paris. Nach der Ableistung seines Wehrdienstes setzte er 1908/09 seine Studien in Berlin und Leipzig fort. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Frontsoldat teil.

1919 wurde er Dozent, 1921 Professor für Mittelalterliche Geschichte in Straßburg. 1929 gründete er mit Lucien Febvre die Zeitschrift Annales. Im Jahr 1936 ging er als Professor für Wirtschaftsgeschichte an die Sorbonne in Paris. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er noch einmal Soldat und kämpfte als Offizier bis zur Niederlage Frankreichs im Juni 1940. Da er als „Jude“ in Paris nicht mehr lehren konnte, berief ihn die Vichy-Regierung zunächst nach Clermont-Ferrand und 1941 nach Montpellier. Während dieser Zeit bemühte sich Bloch auch um einen Ruf an die New School for Social Research in New York, den er aber schließlich mit Rücksicht auf seine Familie ablehnte, da ihn nicht alle hätten begleiten können.

Nach der Besetzung Südfrankreichs im November 1942 tauchte Bloch unter und schloss sich der aktiven Resistance an. Im März 1944 wurde er in Lyon von der Gestapo gefangen genommen und schwer gefoltert. Am 16. Juni 1944 wurde er zusammen mit anderen Gefangenen auf freiem Feld in der Nähe von Leyden erschossen.

Wirkung

Als Mitbegründer der historischen Schule der Annales, benannt nach der 1929 gegründeten Fachzeitschrift Annales d'histoire économique et sociale, zählt Bloch zu den einflussreichsten Historikern des 20. Jahrhunderts. Sein Spezialgebiet war die Mediävistik. Das Neuartige seines wissenschaftlichen Ansatzes bestand dabei in der Einführung einer vergleichenden Geschichtsforschung der europäischen Gesellschaften an Stelle der traditionellen Nationalgeschichtsschreibung. Mit seinen Forschungen trug er darüber hinaus maßgeblich zur Etablierung der Mentalitäts- und vor allem der Strukturgeschichte bei, die er als umfassende Geschichtsschreibung verstand, als „histoire totale“.

Ehrungen

Zu Ehren von Bloch wurde ein deutsch-französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften in Berlin-Mitte benannt, das »Centre Marc Bloch«. Seine Gründung wurde auf einem französisch-deutschen Gipfeltreffen im Oktober 1990 in Berlin beschlossen. Ihm zu Ehren trägt auch eine der drei Universitäten in Straßburg seit 1998 den Namen Universität Marc Bloch.

Werke

  • Les rois thaumaturges (dt. Die wundertätigen Könige). Paris 1924 ISBN 3-406-47519-1 (deutsche Ausgabe)
  • Les caractères originaux de l'histoire rurale française. Oslo 1931
  • La Société féodale (dt. Die Feudalgesellschaft). 2 Bände, Paris 1939/40 ISBN 3-608-912347 (deutsche Ausgabe)
  • L'étrange défaite. Témoignage écrit en 1940 Paris: Gallimard 1946, 1990, deutsch: Die seltsame Niederlage: Frankreich 1940. Der Historiker als Zeuge, S. Fischer, Frankfurt 2002 ISBN 3-10-021603-2
  • Apologie pour l'histoire ou Métier d'historien (= dt. Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers). Paris 1949 (postum), dt. Klett-Cotta, Stuttgart 2002 ISBN 3-608-94170-3
  • Aus der Werkstatt des Historikers. Zur Theorie und Praxis der Geschichtswissenschaft, Campus, Frankfurt 2000 ISBN 3-593-36279-1

Literatur

  • Carole Fink: Marc Bloch. A Life in History, Cambridge University Press, Cambridge 1989 ISBN 0521406714
  • Ulrich Raulff: Ein Historiker im 20. Jahrhundert: Marc Bloch, S. Fischer, Frankfurt am Main 1995 ISBN 3-10-062909-4
  • Peter Schöttler (Hrsg.): Marc Bloch. Historiker und Widerstandskämpfer, Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 1999 ISBN 3-5933-6333-X
  • Lutz Raphael (Hrsg.): Von Edward Gibbon bis Marc Bloch, Reihe: Klassiker der Geschichtswissenschaft 1, C.H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54118-6

Weblinks


Herkunft